Luigi Vagnetti: Palazzo Grande, Livorno (IT) 1950-52

Nahezu die komplette Altstadt Livorno’s wurde bis Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört und in den 50er Jahren zeitgenössisch wiederaufgebaut. Eines der bis heute in der Bevölkerung umstrittensten Projekte des Wiederaufbaus ist der Palazzo Grande des römischen Architekten Luigi Vagnetti.

Der Palazzo teilt die Piazza Grande in zwei Teile, die kreuzenden Straßen laufen als Fußgängerverbindung durch das Gebäude hindurch. Der Palazzo beinhaltet polyvalente Säle über einer Arkadenzone mit Läden und Gastronomie, in den Obergeschossen des vorderen Baukörpers sind heute viele Ateliers in den Büroflächen untergebracht.

Der Palazzo Grande ist ein überaus detailreiches, hybrides städtisches Gebäude, dessen funktionale und materielle Schichtung nahtlos an den alten Palazzo anknüpft, in neuem Kleid…

Das Debattenmagazin…

… des BDA Bayern kann nur von Debatten leben. Die aktuellen Beiträge behandeln das Thema

„Soll Architektur heute noch Licht ins Dunkle bringen?

Für eine Architektur der Integration, der Symbiose, der Freiheit, wider Ausgrenzung, Abgrenzung, Abschottung – jetzt erst recht.“

 

Das kann aktueller gar nicht sein. Architektur ist kein Allheilmittel, aber wesentlicher Bestandteil dieser Diskussion, Kulisse, Ausdruck unserer Haltung, unserer Verfassung.

Also hier der Link zum Magazin: > Debattenmagazin BDAtalk

Und bei dieser Gelegenheit gleich noch ein Link zur Kammerwahlseite des BDA Bayern. Das ist für Wählerinnen und Wähler genauso wichtig wie für den gesamten Nachwuchs… Die Kammerwahl 2016 ist richtungsweisend für viele Jahre!

> BDA Bayern zur Kammerwahl 2016

Wahlpflichtfach Brasilien, Texte zu Lina Bo Bardi

Seit drei Jahren befasse ich mich nun an der Hochschule mit Wahlpflichtfächern rund um die Entstehungsgeschichte moderner Architektur in Brasilien. Es ist und bleibt ein faszinierendes Hin und Her zwischen Europa und Brasilien, bis heute. Im vergangenen Semester haben sich nun einige Studierende an das Werk von Lina Bo Bardi gewagt, einer außergewöhnlichen Figur in dieser Entwicklungsgeschichte. Sie hat uns wundervoll einfühlsame und nachdenklich stimmende Spuren ihres Weges von Italien nach Brasilien, in den dortigen Norden und zurück hinterlassen hat. Die Texte spiegeln die Auseinandersetzung der Studierenden mit den Projekten aus Erstquellen ohne Kommentierungen wider. Wir haben viel über die Rezeption der Projekte vom Papier weg, aus der Ferne diskutiert. Noch bleibt es ein Traum, mit den Werken vor Ort auf Tuchfühlung zu gehen. Noch…

Hier ist unsere Publikation des Semesterergebnisses, ergänzt durch Zeichnungen von Studierenden aus einem früheren Wahlpflichtfach, Zeichnungen der beiden wohl meistbekannten Werke Bo Bardi’s, dem MASP und der Casa de Vidro:

2015S Moderne in Brasilien_LinaBoBardi

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It is a situation I remember very well, the moment I’ve pieced together this little piece of sketches on April 25th, 2014. Not because of the date written on the paper, but much more because of the circumstances and consequences, this day had for our faculty. Which were very good ones, I have to say.

Nevertheless the sketch happened in a moment of irony close to cynism… I admit having more and more trouble to accept the ever more fragmented human vision of our environment. There is so much „solving details“ around, there are so many „specialists“ everywhere, but where’s the ambition to look at the greater picture? Everything is so fragmented, so „mono-cultural“….

Wichtige Fragen zeitgenössischer Architektur
Most important (German) questions about contemporary architecture, April 2014

Eisen

„Erstmals in der Geschichte der Architektur tritt mit dem Eisen ein künstlicher Baustoff auf. Er unterliegt einer Entwicklung, deren Tempo sich im Laufe des Jahrhunderts beschleunigt. Sie erhält den entscheidenden Anstoß als sich herausstellt, daß die Lokomotive, mit der man seit Ende der zwanziger Jahre Versuche anstellte, nur auf eisernen Schienen verwendbar ist. Die Schiene wird der erste montierbare Eisenteil, die Vorgängerin des Trägers. Man vermeidet das Eisen bei Wohnbauten und verwendet es bei Passagen, Ausstellungshallen, Bahnhöfen – Bauten, die transitorischen Zwecken dienen.“

Walter Benjamin, Das Passagen-Werk: „Fourier oder die Passagen“

… und weiter, in „Daguerre oder die Panoramen“:

„Wie die Architektur in der Eisenkonstruktion der Kunst zu entwachsen beginnt, so tut das die Malerei ihrerseits in den Panoramen.“

Lesenswert, scheibchenweise, voller Phantasie und Mut. In einer Zeit, zwischen 1927 und 1940, die Mut verlangte, um Gutes überleben und erleben zu lassen. Benjamins Flucht endete in der Nacht zum 27. September 1940 in Port Bou im scheinbar Unausweichlichen. Das dürfen wir heute, dieser Tage nicht mehr zulassen.

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Mercado Central, Belo Horizonte (MG) Brasilien; Dezember 2012

Danke, …

… werte Studentinnen und Studenten! Die Verleihung des Preises für gute Lehre 2014 der OTH am 5. Dezember anlässlich der Akademischen Jahresfeier war ein äußerst bewegender Augenblick. Ich betrachte diesen Moment sowohl als eine große Auszeichnung, wie auch als eine Verpflichtung für die nahe und weitere Zukunft.

> zum Bericht über die Akademische Jahresfeier 2014 der OTH

Kanzler Peter Endres hat es in seinem Schlusswort doch so gut gefasst: der Preis wird nur alle zwei Jahre vergeben, es gibt über 200 Professorinnen und Professoren an der OTH, da kann man sich einfach ausrechnen, dass dies nicht Jedem oder Jeder zuteil werden kann. Ich ziehe für mich persönlich daraus den Schluss, dass dieser Preis auch ein Ausdruck für die gemeinschaftliche Leistung an unserer Fakultät ist, die all diejenigen Lehrenden wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einschließt, die sich tagtäglich um die Lehre und die Entwicklung in allen unseren Studiengängen bemühen. Daher möchte ich auch den Kolleginnen und Kollegen an der Fakultät danken, die diese hohe Schlagzahl stetig mitgehen.

Seit meiner Berufung im Jahr 2011 hat sich unglaublich viel an unserer Fakultät verändert: zu den Studiengängen der Architektur haben sich der Master Historische Bauforschung, der Bachelor Gebäudeklimatik und der Bachelor Industriedesign gesellt. Es sind mit Prof. Erich Prödl (A), Prof. Dr. Cornelia Bieker (A), Prof. Dr. Susan Draeger (GK), Prof. Jakob Timpe (ID), Prof. Matthew Burger (ID) und ganz aktuell Prof. Dr. Felix Wellnitz (GK) sechs neue Lehrende an unsere Fakultät berufen worden. Weitere Berufungsverfahren stehen nun an: zwei Professuren im Industriedesign, eine Professur in der Historischen Bauforschung und eine Gastprofessur in der Architektur. Hinzu kommen einige neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unser Team auf der Ebene der Lehre wie der Forschung verstärken, die Liste ist lang und doch weit entfernt, ausreichend lang zu sein. Denn von knapp 300 Studierenden sind wir auf weit über 600 gewachsen, die nicht etwa in einem einzigen Bachelorstudiengang mit konsekutivem Master studieren, sondern in fünf Studiengängen, von denen allein drei grundständig sind.

Die neuen Studiengänge sind akkreditiert, so die Historische Bauforschung und die Gebäudeklimatik, oder stehen wie das Industriedesign mitten im Verfahren. Die Architekturstudiengänge befinden sich nach der erfolgreichen EU-Notifizierung 2012 in der Reakkreditierung, mit veränderten Modulplänen und Wichtungen in den Lehrinhalten. Der Wettbewerb um den Titel Technische Hochschule hat zu einem wichtigen Etappenziel geführt, das Siegel „OTH“ ist bereits in der Öffentlichkeit etabliert, der Begriff „FH“ weicht. Die Restverlagerung des Standortes Prüfeninger Straße ist beschlossene Sache, erst vorvergangene Woche hat unser Fakultätsrat das Organigramm zum Raumprogramm für den Neubau der Fakultät Architektur als Grundlage für das weitere Verfahren zur Vergabe der Architektenleistungen abgesegnet und dem Staatlichen Bauamt übergeben. Das sind große Entwicklungsschritte, die wir als Fakultät innerhalb der OTH Regensburg gemacht haben und an denen wir mit allen Kräften weiterarbeiten, während wir stets lehren und bilden. Dahinter steht eine große Gruppe unermüdlicher Akteure, ein breit aufgestelltes, diversifiziertes Kollegium, das mit einiger Freude auf das Erreichte blicken und mit Zuversicht in die nahe Zukunft schauen kann. All dies wäre aber in dieser Form nicht möglich ohne eine aktive und sich stetig an dieser Entwicklung beteiligende Studierendenschaft, die unser größtes Gut ist. Schon das studentische Engagement im Jahr 2012, als wir aus den zentralen Mitteln der Studienbeiträge eine nicht unbedeutende Summe für das Konzept „Raum schaffen“ bekamen, aber auch der Einsatz für die Weiterentwicklung der Studiengänge und die stete, inhaltlich treffsichere Diskussion um die wesentlichen Themen einer qualitativ hochwertigen Lehre zeigen, dass unsere Studierendenvertreterinnen und -vertreter sich aktiv und konstruktiv einzubringen wissen.

Bei diesen und den Studierenden, die sie vertreten, bedanke ich mich für die Nominierung zur Preisverleihung. Denn die Lehre hat, wie man weiß und immer wieder am eigenen Leib erfährt, auch ganz aktuell, Höhen und Tiefen. Dabei gelangt man sogar unvermittelt an die Grenzen der eigenen Handlungsfähigkeit und das veranlasst mich dazu, noch ein paar Worte mehr über das Studium an unserer Fakultät zu schreiben. Als einer der wichtigsten Punkte erscheint mir dabei, gerade heute einmal mehr zu betonen, dass das Studium, gleich ob der Architektur, des Industriedesign, der Gebäudeklimatik oder der Historischen Bauforschung, ein Vollzeitstudium ist, dem man als Studentin oder Student seine ganze Kraft widmen sollte. Denn es bereitet auf die Berufsbefähigung in den jeweiligen Gebieten und deren Schnittstellen vor, in einer Berufswelt, die immer höhere Ansprüche an die komplexe Bildung der Absolventinnen und Absolventen stellt. Nicht nur die mit dem Architekturschaffen und dem Bauwesen verbundenen Berufe stellen die steigenden Anforderungen täglich erneut fest. Dem zu entsprechen gelingt nur jenen, die die Zeit ihres Studiums nutzen sich zu bilden, auch über die Gebiete ihres eigentlich angestrebten Metiers hinaus. Diejenigen, die das Konzept des Ausbaus der Studiengänge an unserer Fakultät erdacht haben, haben bereits einen wichtigen Baustein für die im Berufsleben so dringend notwendige Interdisziplinarität gelegt. Wobei interdisziplinäres Denken und Planen in diesem Zusammenhang nicht als Kontrapunkt zur Exzellenz im Fachgebiet zu verstehen ist, denn die anzustreben wird vorausgesetzt. Das Konzept auszufüllen liegt nun nicht nur an uns, den Lehrenden, sondern auch an den Studierenden selbst. Die Begeisterung für die Inhalte des eigenen Studiums in Verbindung mit einem intensiven Blick auf das Tun der Anderen befähigt dazu, die Herausforderungen des beruflichen Alltags später leichter zu meistern und die (Fach-) Sprache der anderen zu verstehen. Dazu gilt es, die Zeit des Studiums bestmöglich zu nutzen. Den Raum dazu bietet die Hochschule, jede andere begleitende Tätigkeit kann nur als Experiment in diesem Kontext betrachtet werden.

Ich wünsche daher unseren Studierenden ausreichend Freiraum zum Denken und uns Lehrenden, dass wir dazu bestmöglich beitragen.