… im Rahmen des Entwurf Komplex + Position „Innere Stadtränder“, mit meinen beiden Kollegen Prof. Erich Prödl und Prof. Markus Emde.
Was es doch alles zu entdecken gibt , in diesen Höfen…

Nächste Woche erwarten wir die filmische Aufarbeitung des Quartiers durch die Studierenden: Dokumentation, Untersuchung, Interpretation.
Im Viertel gibt es viele un-lebendige Orte, zuhauf restriktiven Umgang mit aneignungsoffenen Flächen und an den Rändern Beispiele aktueller, monofunktionaler Verdichtung ohne jeden Bezug auf den Kontext. Nüchterne Erkenntnis: die neuen Bauten, ganz gleich ob im Südosten der Plato-Wild-Siedlung oder gegenüber der Bahnlinie, beim Zuckerareal, werden lange das Stadtbild prägen, aber eben als Zeugen von Investitionen mit einem offensichtlichen Horizont von vielleicht „fünf Jahren“, also bis zum Ende der Gewährleistungsfristen der ausführenden Gewerke. Wo aber bleibt die übergeordnete Stadtplanung, wo der Innovations- und Qualitätsanspruch bei diesen im Verhältnis zum bestehenden Kontext sehr großen gebauten Interventionen? Die Stadt gibt uns Raum, auch Raum für Investitionen in Bauwerke, die Erträge bringen. Wo aber bleibt denn die stille Übereinkunft, dass jeder, der investiert u n d daran auch verdient, die Verpflichtung hat, der Gesellschaft lebenswerten und dauerhaften Raum in hoher gebauter Qualität zu bieten? Wo ist der Gesellschaftsvertrag geblieben, der zur Honorarordnung für Architekten und Ingenieure führte: gesetzlich geregelte Mindest- (und im übrigen auch Maximal-) honorare gegen Berücksichtigung öffentlicher Belange auch beim Planen für private Investoren? Lieber reduziert man die Planungsleistungen von einer gesamten Werk- auf einzelne, teilbare Dienstleistungen, um das Planen und Bauen noch ein wenig günstiger zu machen… Doch mit weniger Zeit und weniger Geldeinsatz bei der Planung wird das Bauen entweder teurer oder schäbiger, meistens aber beides. Denken kostet Zeit und Zeit kostet Geld, gerade heute, und an Gedanken und Papier, um sie niederzulegen, spart man am schnellsten und am liebsten. So ist das, auch wenn der Gesetzgeber anderes im Sinn hatte.

Wir regen uns über Steuerhinterziehung auf, nicht aber über den Entzug von Qualität im öffentlichen Raum. Da gehört schon sehr viel Abgestumpftsein dazu. Wie es wohl wäre, wenn wir uns über beides aufregten, Steuerhinterziehung u n d schlechtes Bauen und Planen? Doch klar, wenn man jeden Tag damit beschäftigt ist, den eigenen Lebensstandard irgendwie zu sichern oder gar zu erhöhen, dann schaltet sich so einiges ab, was normaler Weise aufmerksam die Umwelt und die dortigen Veränderungen betrachtet.

Wie dem auch sei: Wohnen ist kein Selbstzweck, Architektur und Stadtplanung sind es noch viel weniger.

 

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