Auf den Hund gekommen…

Mal eine ganz andere Geschichte, womit man so seinen Sonntag ein wenig auflockern kann, wenn er mal zu langsam vergeht (nicht nachahmenswert!):

B2 Richtung Nürnberg, vor dem Abzweig nach Rothenberg: im Graben rechts der Straße taucht ein Hundekopf auf. Ich habe ein komisches Gefühl, fahre sofort deutlich langsamer und richtig: der Kerl rennt auf die Straße. Bremsen, wenden, Warnblinker an und den wendigen, etwas kopflosen Hund auf der sonntäglich nicht zu knapp befahrenen Bundesstraße einfangen: kein allzu leichtes Unterfangen, aber es gelingt.

Hund bei Monheim

Jetzt gehen die Probleme aber erst richtig los: was tun mit dem jungen, ungestümen Burschen? Ich kriege ihn nicht einmal ins Auto, er will nach hinten, zu meiner Hündin, denkt nicht daran, vorne einzusteigen. Doch das Glück naht schnell: zwei Autos halten auf mein Winken, eine unglaublich nette Familie, wohl auf der Fahrt zum Sonntagsessen oder auf dem Weg zum Kaffee? Jedenfalls helfen sie mir sofort, den Hundetausch am Rande der B2 zu bewältigen: meine Hündin Greta nach vorne (sie knurrt den jungen Hund gewaltig an, ist denkbar genervt von dessen Neugier), den Findling nach hinten in den Fonds, ist ja ein stabiles Hundenetz als Trennung zum Rücksitz drin…). Die Familie weiß, wo im nahegelegenen Monheim der Förster wohnt, wendet und fährt mir voraus – wirklich sehr hilfbereite Leute. Bis zum Förster dreht der junge Kerl ganz schön auf, randaliert sich im Fond einen ab, noch hält das Netz – ich lüfte ihn mit Fensteröffnung aus. Greta, meine Hündin, ist schwer irritiert… In Monheim angekommen treffen wir die Frau des Försters an. Die Familie fährt wieder, danke für die Hilfe! Während ich mit der Förstersfrau beratschlage, durchbricht Mr. Unbekannt das Gepäcknetz,. rammelt quer durchs Auto, begrüßt freudig Greta, die sich mit Müh‘ und Not auf den Beifahrersitz rettet. Der Rückspiegel überlebt genauso wenig wie mein Hemd, das auf dem Rücksitz liegt… Ich hole den Knaben also raus aus dem Auto, binde ihn mit einer Elchlederleine (hält ewig, heißt es…) an einen Betonpfeiler neben dem Auto, kehre zur Försterin zurück, um weiter zu besprechen, wohin mit dem Tier. Es dauert keine Minute, da höre ich ein fieses Kratzen, die ewig haltbare Leine ist durch, unser Freund springt am Auto hoch, will wieder hinein, zu Greta. Ich rette Auto (fast) und Hündin, was mir mit meinen Klamotten nicht gelingt…, binde ihn doppelt und gut sichtbar mit der zerbissenen Leine an einen Baum und parke das Auto um.

vor dem Haus des Försters

Hilft nicht wirklich, kaum interessiert man sich nicht für ihn, kaut er gleich wieder los. Mit dem geschrotteten Gepäcknetz komme ich nicht bis zum Tierheim in Hamlar, hinter Donauwörth (auch nicht gerade die nächste Ecke…). Die Förstersfrau bietet mir an, den Burschen in den Zwinger zu nehmen, ihr Mann werde sich um ihn dann kümmern, sobald er zurück ist. Also nächster Hundetausch: Förstershund raus aus dem Zwinger im Garten, Findling hinein. Wir sichern die Tür zusätzlich mit einer Leine, außerhalb der Reichweite des Hundes.

vorübergehend im Zwinger des Försters

Ich lasse meinen neu gewonnenen Beißfreund nun guten Mutes zurück, das ist viel besser, als auf der Bundesstraße in ein Auto zu laufen und erfahre später, dass er den Weg zurück zu seinem Besitzer gefunden hat – der Förster hatte herausgefunden, wo er hingehört. Vorher hat er aber den zwei Meter (!) hohen Zwinger noch überwunden… Wenn man den Kerl zuhause hat, hat man wahrscheinlich gut zu tun, liebes Geschau hin oder her!

Ende gut alles gut, „Tiertag“ vorbei? Denkste…, das tierische Nachspiel kommt noch:

ich bin derweil in Nürnberg angekommen und biege in eine Seitenstraße ein. Eine große schwarze Krähe sitzt auf einem Auto, wetzt ihren Schnabel an der Heckklappe des Fahrzeugs, kuckt mich herausfordernd an. Als ich anhalte und ungläubig das Telefon zücke, um das Viech zu fotografieren, macht sie auf das Auto einen nicht zu kleinen Klecks (siehe rechts hinten auf dem Autodach) und schwingt sich in die Luft, wer weiß wohin. Im Abflug hab‘ ich sie noch geknipst, mit schwerem Flügelschlag: ein tierischer Sonntag.

Krähe im Abflug

Veröffentlicht in Lehre