Kalt war es gestern und sonnig, die Bäume noch belaubt, die Mauern des Augsburger Doms blinzeln in roten Tönen zwischen den Blättern hindurch und das feine Dach scheint gleichsam zu schweben, über der alten Wand, die Exponate längst vergangener Zeiten für den Vorübergehenden trägt.

Wie hat Bertolt Brecht einmal geschrieben:

„….. Hier, in der Früh, nicht allzu häufig,
sitze ich und wünsche mir, auch ich mög‘,
in den verschiedenen Zeiten, guten, schlechten,
dies oder jenes Angenehme zeigen.“

Das verbinde ich mit diesem Ort, dieser Wand, diesem Dach auf schlanken Stützen, ein ruhiger Ort, der mich immer dazu bringt, die schwere Seitentür des Domes aufzudrücken. Meine Schritte führen mich stets direkt in die Krypta, zur romanischen Madonna mit ihrem Kind, die einem nun nicht mehr nur im Kerzenschein entgegenblickt, sondern in einen Strahler hineinblinzeln muss. Es nimmt ihr nichts von ihrem großen Seelenfrieden, gar nichts. Auch die Kerzen sind Vergangenheit. Jetzt gibt es nachfüllbare Metallstengel mit Docht, meist klebt das Lampenöl noch außen dran, hinterher hat man den seltsamen Geruch lange an den Fingern, doch, was soll’s! Auch das gehört irgendwie zum Ankommen.

Bin gerne dort, denke versonnen an Brecht’s Worte und betrachte bewundernd das feine, schlanke, schützende Dach über der schweren, alten Mauer, den Dom dahinter oder im Rücken.
… dies oder jenes Angenehme zeigen.

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