Warum tragen Sie schwarz, fragte die Studierende des ersten Semesters in der letzten Kritik vor Weihnachten.

Ja, warum trage ich schwarz, nur schwarz und das immer? Angefangen hat das im Studium, in Paris 1993. Beim (damals ausschließlichen) Zeichnen von Hand an der Schnurschiene war der Handballen grundsätzlich grauschwarz, die Kleidung also ständig in Mitleidenschaft gezogen. Schwarz war so betrachtet vielleicht nicht gerade hygienisch (jedoch, siehe Fliesenfugen…), aber immerhin, recht praktisch. Selbst die Spitze des Rapidographen konnte man notfalls mit dem schwarzen T-Shirt reinigen. Sicherlich waren die anderen Studierenden der höheren Semester, alle bereits überwiegend schwarz, dabei so eine Art unterbewusster Leitfaden.

Frage des Kollegen: Glauben Sie ihm das? Mein Gedanke: … wenn es schon bei der Kleidung um Glaubensfragen ginge…

Später kam die bunte Phase, Brasilien. Aus gutem Grund dann 2009 der Wechsel zurück, diesmal zum vollständigen, ausschließlichen Schwarz, diesmal ‚praktisch‘ aus ganz anderen Gründen. Für jeden Anlass geeignet, ruhig, aber nicht ohne Aussage. Beim Backen zur Weihnachtszeit oder beim Walzen von Nudelteig allerdings wird die eingemehlte Kleidung dann doch ungewollt zu einer Art Manifest, wenn man Besuchern die Tür aufmacht: seht her, auch ich tue etwas.

Hier also ein Lesetip für Studierende, denen die Antwort nicht ausreicht (seltsam, dass einer meiner Brüder mir dieses Buch ausgerechnet dieses Weihnachten geschenkt hat…):

Cordula Rau (Ed.): Why Do Architects Wear Black? SpringerWienNewYork 2009