Venedig!

Eigentlich ging es für die Masterstudierenden um die Teilnahme am Lighthouse Competition 2013. Doch die diesjährige Aufgabenstellung versucht sich zwar an der Thematisierung des Übergang in das dichte Gefüge Venedigs, jedoch unter Voraussetzungen, die einem Entwurf im Master 3 nicht gerecht werden. Die szenische Aufarbeitung der Orte um Piazzale Roma und den Bahnhof unterliegt angesichts der Wahl der Mittel und des angedachten Zwecks. Zu plakativ und doch, bei eingehender Recherche, von einer unglaublichen Komplexität. Es mag als Grundlage dienen können.

Also entwickeln wir ein zusätzliches Programm als Schnittstellenfunktion im territorialen Sinn, das die Themen Anlaufstelle, Schaufenster, Grundversorgung, Fern- und Nahverkehr sowie des komplexen italienischen Polizeiwesen am Übergang zwischen Provinz und Stadt, zwischen Land und Wasser kombiniert. Der szenische Ansatz bleibt erhalten, er wird ergänzt um das architektonische Programm, ohne dabei die Architektur zum Allheilmittel zu deklarieren und ihr allein die Lösung des Problems eines Ankommens im vermeintlichen „Hinterhof“ aufzuerlegen.

Ist Piazzale Roma wirklich ein Hinterhof und der Markusplatz eine geeignete „Gegendarstellung“ in Form eines Synonyms für den Übergang zwischen dem terrestrischen und dem maritimen System? Bei längerem Nachsinnen und Graben in den verschütteten Erinnerungen an das eigene Studium in Venedig drängt sich der Gedanke auf, dass der Vergleich allein aufgrund der zeitlichen Schichtung beider Orte unzulässig ist. Gleichzeitig wird schnell klar, wie ungemein schwer die Formulierung einer derartigen Aufgabenstellung fällt. Schließlich ist schon das Ergebnis eines vorausgegangenen Wettbewerbs  „Una porta per Venezia“ eine äußerst fragwürdige Angelegenheit, betrachtet man die Zusammenhänge zwischen Architektur und Kontext. Die konsequente Negation sowohl der ursprünglichen Prägung des maritimen Areals im Vorfeld von Piazzale Roma wie auch des städtebaulichen Kontexts Venedigs, in Verbindung mit dem seltsam unbeholfen wirkenden neo-modernen architektonischen Vokabular des zur Realisierung anstehenden Entwurfs lassen nichts Gutes für den zukünftigen Auftakt an dieser Stelle erahnen.

Statt eines sensiblen Umgangs mit einer sukzessiven Erweiterung und Transformation des Stadtgefüges, man betrachte nur neue Projekte von Cino Zucchi oder etwa den Wettbewerb zur Erweiterung des Friedhofs San Michele, also eine Art architektonisches Manifest von Vorgestern. Ist das Sehnsucht, und wenn ja, nach was?

Das laufende Mastersemester, der Lighthouse Competition 2013 und die Rückschau auf vorausgegangene Transformationsprojekte in Venedig lassen mehr als genug Raum, um über das Thema der HS.R ARCH und ihres Master in der Architektur zu diskutieren: Architektur und Kontext.

Hochschulöffentliche Präsentation der Projekte am 30. Januar 2013 in der Halle A.

Kritik mit: Prof. Dr.-Ing. Rudolf Hierl, Prof. Andreas Emminger, Prof. Erich Prödl (Gastkritik „Architektur und Kontext“)